Donnerstag, 20. Juli 2017

Ein Symptom des kalten Krieges


Der Kalte Krieg zwischen Ost und West führte zum Beinahe-Druck auf den Roten Knopf der Fernraketen. Der MdI-Zyklus war ein Symptom der Zeit, in der er geschrieben wurde. (K.H. Scheer im Werkstattband)

Der Zufall wollte es, dass ich mich vor einigen Tagen genau da aufhielt, wo noch vor wenigen Jahren ein undurchdringlicher Zaun, der eiserne Vorhang, Europa geteilt hat. Heute ist der zum Glück abgebaut, und ich kann mich frei über die grüne Grenze von Österreich nach Ungarn bewegen.
Was lag also bei meiner derzeitigen Lektüre näher, als ein wenig auf Spurensuche zu gehen, und einen Teil des MdI-Zyklus genau dort zu lesen - am ehemaligen Eisernen Vorhang.

Nachdem im Jahr 1920 im Vertrag von Trianon über die Zukunft Österreich-Ungarns entschieden worden war, fanden im Jahr 1921 im österreichischen Burgenland noch eine Reihe von Volksabstimmungen über die Zugehörigkeit einzelner Orte zu den neu gebildeten Staaten Österreich und Ungarn statt. Nach diesen Volksabstimmungen konnte die Grenze im Jahr 1922 markiert werden. Viele dieser Steine stehen, wie hier zwischen Mörbisch und Fertőrákos, immer noch:

Ein Grenzstein aus dem Jahr 1922

Wo nach dem Zweiten Weltkrieg ein hoher Zaun die beiden Dörfer bis 1989 voneinander trennte, ist heute wenig mehr zu sehen, als ein verwilderter Grünstreifen, aus dem ab und an ein verwittertes Schild ragt und an vielen Stellen führen Feldwege über die ehemalige Grenze.

Der ehemalige eiserne Vorhang im Jahr 2017

An einem dieser Feldwege steht eine Bank, auf der ich mich niederließ, um "Auf den Spuren der Crest" von H.G. Ewers" und "Geheimwaffe Horror" von K.H. Scheer zu lesen - zum Entstehungszeitpunkt der beiden Romane unvorstellbar, für mich ein besonderes Leseerlebnis.

Ein "Symptom des Kalten Krieges" am ehemaligen Eisernen Vorhang

Kommentare:

  1. Sehr schön geschrieben, ich finde es sehr beindruckend, überhaupt dein Projekt die gesamte Serie von Anfang an zu lesen, ich habe glaub ich 3x oder 4x bei 1 angefangen, zuletzt als Hörbuch, weil die Augen nicht mehr mitmachen,aber hab es nie geschafft ganz durchzulesen bis 1400 glaub ich, kam ich, werde ich wohl auch nicht mehr schaffen, die besten hefte fand ich 1-500, danach gings bergab imho,2400-2800 hab ich nochmal probiert aber mit gemischten gefühlen. NEO ist gar nichts für mich, werde ich auch wohl nie akzeptieren.silberbände halte ich nun im nachhinein für kastriert,ich hatte nie mehr das einzigartige gefühl des lesens und des gefesseltseins wie in der zeit ca 1966 bis 1975, ich würde es gerne haben.mich würde mal interessieren, wo du die zeit hernimmst 6 hefte am tag zu lesen, ich brauchte damals 1 1/2 bis 2 stunden. schönen gruss und weiterhin viel spass bei unserem gemeinsamen großen Hobby

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    1. Guten Morgen Ninja,

      noch habe ich ja nicht einmal 10 Prozent der alten Serie gelesen. Zusammen mit meiner Lektüre der neuen Hefte ab 2600 liege ich mit 20 Prozent Gesamtkenntnis ja auch noch ganz am Anfang. Ich bin selber immer noch gespannt, ob ich durchhalte und wie weit ich komme. Aber das Ziel ist klar: Perry Rhodan komplett bevor ich 50 bin ;)

      Silberbände habe ich vor Jahren (2011 zum Weltcon) mal gelesen, und ich stimme dir zu, dass die Faszination der Originalhefte in den Silberbänden nicht rüberkommt. Da fehlt einfach in so vieler Hinsicht was. Das fängt schon beim Lesegefühl -Heft gegen Buch - an (Allerdings muss ich dann auch nicht die allerschlimmsten Entgleisungen lesen ;)) Ich bleibe also gern bei den Heften.

      Faszinierend an unserem gemeinsamen Hobby finde ich die thematische Spannweite. Du kannst NEO nicht ausstehen, und ich werde vermutlich irgendwann bei den kosmologischen Höhenflügen des William Voltz so meine Probleme bekommen und mich durchbeißen müssen. Und was ich von Atlan gehört habe, Magier in Raumschiffen ... ich weiß ja nicht. Muss ich das haben? Trotzdem ist alles Perry Rhodan und jeder kann sich sienen Teil raussuchen. Ich denke, dass das eins der Erfolgsrezepte der Serie ist.

      Und wo ich die Zeit für 6 Hefte am Tag hernehme? Ganz einfach: Ich bin im Moment ohne Familie in Urlaub und verbringe fast jeden Tag am Ufer des nahegelegenen Sees. Das ist ein feiner Rhythmus in der Sonne: Heft - Schwimmen - Heft - Schwimmen ... Und wenn das Wetter mal nicht mitspielt, lese ich eben am eisernen Vorhang. Und es werden auch wieder Tage kommen, wo ich mit Mühe ein Heft am Tag schaffe. Das nennt sich dann Alltag ;)

      Bis dahin Ad Astra
      Martin

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  2. Was die schlimmen Entgleisungen angeht, ist es vielleicht doch besser, die Hefte zu lesen als die Silberbände, denn dann bekommt man sie nur häppchenweise geliefert und nicht wie bei mir, als ich den Fehler gemacht habe, den M87-Zyklus erst in den Silberbänden komplett zu lesen und dann die aus den Hardcovern entfernten Einzelbände als Hefte nachzulesen. Ein schlimmer schlimmer schlimmer Fehler. :D Denn dadurch bekommt man den Horror (nicht die Falle, aber doch sehr schlimm) in komprimierter Form aufgetischt. Gut, dass der Zyklus der einzige war, wo ich das gemacht habe, alle anderen habe ich auch mit Hilfe der Hefte gelesen. ;)
    P.S.: Habe ich das Wort "schlimm" eigentlich oft genug verwendet? Ist schlimm, oder?

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